Bildungsreise Berlin: Ein Blick über den Tellerrand offener Jugendarbeit
Im Rahmen eines zweitägigen Fachaustauschs reiste eine Gruppe von Fachkräften des Vereins „Rettet das Kind“ – Landesverband Wien nach Berlin.
Wien ist als zweitgrößte deutschsprachige Stadt nach Berlin eng in die gesellschaftlichen Entwicklungen des deutschsprachigen Raums eingebunden. Insbesondere jugendkulturelle Strömungen und neue Trends lassen sich häufig zunächst in Metropolen wie Berlin beobachten, bevor sie mit Verzögerung auch in Wien an Bedeutung gewinnen. Die Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen bildet eine wichtige Grundlage für die Methode Streetwork, da sie Einblicke in die Lebenswelten, Bedürfnisse und Herausforderungen junger Menschen ermöglicht und zur Entwicklung bedarfsgerechter Unterstützungsangebote beiträgt.
Angekommen in der deutschen Bundeshauptstadt wurden wir von den Mitarbeiter:innen von Gangway e.V. herzlich empfangen. Das abwechslungsreiche Programm führte uns zunächst zum „Streetwork Team Kottbusser Tor“, das mit jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren arbeitet und dabei insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene begleitet, die riskant illegale Substanzen konsumieren oder von Suchterkrankungen betroffen sind.
Im „CoLab Görli“ lernten wir ein innovatives Konzept kennen, das niedrigschwellige Sozialarbeit mit Gemeinwesenarbeit verbindet und Raum für Begegnung, Beratung, Kultur und Vernetzung schafft. Dort fand auch ein Austausch mit der Geschäftsführerin von Gangway e.V. statt. In diesem Rahmen wurde auch thematisiert, dass Gangway e.V. und Rettet das Kind - Landesverband Wien bereits eine langjährige Geschichte verbindet, die im Rahmen dieses Austauschs wieder aufgegriffen und neu belebt wurde.
Weitere Programmpunkte am ersten Tag waren ein gemeinsames Mittagessen mit fachlichem Austausch sowie ein Rundgang mit dem „Streetwork Team Friedrichshain“ durch deren Kiez inklusive Gespräche mit den dort tätigen Fachkräften. Auch die Besichtigung eines neu renovierten Jugendclubs Feuerwache im Kiez stand auf dem Programm.
Besonders spannend am zweiten Tag war der Besuch des Fanprojekts „Streetwork Alte Försterei“, das junge Fans des 1. FC Union Berlin in unterschiedlichen Lebenslagen unterstützt. Unsere Delegation bekam auch die Möglichkeit, bei einer exklusiven Stadionführung einen Blick hinter die Kulissen der Fanarbeit zu werfen. Besonders interessant war dieser Programmpunkt für das Team Streetwork Wien, welches hier in Wien seit mehr als 40 Jahren mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Fußballfanszene arbeitet.
Den Abschluss unseres Fachaustausches bildete ein Rundgang durch das Arbeitsgebiet des „Streetwork Teams Treptow-Köpenick“, wobei neben herkömmlichen Orten im öffentlichen Raum wie Parks auch ein ehemals besetztes Haus besichtigt wurde, dass von KJR e.V. zu einem Begegnungs- und Veranstaltungshaus für Jugendliche umfunktioniert wurde.
Für unseren Verein war dieser internationale Fachaustausch von großem Wert. Er bot die Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen, die eigene Praxis zu reflektieren und auf professioneller Ebene voneinander zu lernen. Wir freuen uns bereits darauf, in naher Zukunft eine Delegation von Gangway e.V. in Wien begrüßen zu dürfen und die erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne eines kontinuierlichen fachlichen Austauschs weiter zu vertiefen.