Weltfrauentag in der Pfarrgasse: Empowerment von Körper und Geist
Anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März organisierte der Jugendtreff Pfarrgasse in einer Schwerpunktwoche einen Selbstbehauptungskurs für Mädchen* sowie einen Filmabend zum Thema arrangierte Ehen und Zwangsheirat.
Gemeinsam mit der Krav Maga Trainerin sammelten die Teilnehmerinnen Situationen, in denen sie sich bislang unwohl gefühlt hatten, und entwickelten Strategien, um in solchen Momenten Selbstwirksamkeit und innere Stärke zurückzugewinnen. Mögliche Angriffsszenarien wurden praktisch durchgespielt, mit dem Ziel, die Mädchen* besser auf potenzielle Gefahrensituationen vorzubereiten.
Der Workshop verfolgte das Ziel, alltagsnahe und konkrete Kenntnisse sowie Handlungsstrategien zu vermitteln, damit sich die Teilnehmerinnen im Ernstfall angemessen verteidigen können. Gleichzeitig entstand ein verbindender und stärkender Austausch über bereits gemachte Erfahrungen. Einige beschrieben es als besonders ermutigend, die Ratschläge der Trainerin direkt ausprobieren zu können und festzustellen, dass diese auch dann wirksam sind, wenn das Gegenüber größer und stärker ist.
Zur Ergänzung dieses körperlich orientierten Programms fand am darauffolgenden Tag ein Filmabend statt, der zur inhaltlichen Auseinandersetzung einlud. Über den One World Film Club wurde der Film „Das Arrangement“ gezeigt, der vier junge Wienerinnen portraitiert, die auf unterschiedliche Weise mit arrangierten Ehen und Zwangsheirat konfrontiert sind. Darüber hinaus beleuchtet der Film, wie Rollenbilder in Partnerschaften gelebt werden und welche Bedeutung die Familie bei der Partner:innenwahl einnimmt.
Zu diesem Abend waren Jugendliche aller Geschlechter eingeladen, was den anschließenden Austausch besonders vielfältig und spannend machte. Die Teilnehmenden berichteten von den Erwartungen ihrer Eltern sowie von ihren eigenen Vorstellungen von Partnerschaft. In diesem Zusammenhang regten die Sozialarbeitenden einen Reflexionsprozess bei der Gruppe an, der zum Hinterfragen „typisch weiblicher“ und „typisch männlicher“ Aufgaben in Beziehungen beitrug. Es wurden bewusst Gegennarrative gesetzt, die starre Denkmuster aufbrechen sollten und Machtverhältnisse kritisch hinterfragten. Die Rolle der Partnerin als gleichwertige und selbstständige Mitgestalterin einer partnerschaftlichen Beziehung wurde hervorgehoben.
Der Zugang über den Film erleichterte die Reflexion des Themas. Die Jugendlichen konnten konkret benennen, mit welchen Figuren sie sich identifizieren konnten und von welchen sie sich eher distanzierten und gingen mit mehr Bewusstsein zu dem Thema nach Hause.